CRIMINAL TRIBES ACT: EXTENDED

Sankar Venkateswaran (Attapadi)

Eintritt € 14,00 | Ermäßigt € 7,00

Münchner Volkstheater

03.11. 19:00

04.11. 19:00

05.11. 19:00

Ein Gespräch über die auf SPIELART 2023 verschobene Stückentwicklung MY NAME IS TAMIZH (AT) findet nach der Vorstellung am 03.11. statt, weitere Informationen unter DISKURS

In englischer Sprache und Kannada mit deutschen Übertiteln

 

[There is] no need to hear your voice, when I can talk about you better than you can speak about yourself. No need to hear your voice. Only tell me about your pain. I want to know your story. And then I will tell it back to you in a new way. Tell it back to you in such a way that it has become mine, my own. Re-writing you, I write myself anew. I am still author, authority. I am still [the] colonizer, the speaking subject, and you are now at the center of my talk.

                                                                       

   -Bell Hooks, Marginality as a Site of Resistance

 

 

CRIMINAL TRIBES ACT: EXTENDED des indischen Regisseurs  Sankar Venkateswaran untersucht Formen der sozialen Ausgrenzung in Indien und deren Legitimation durch die Kolonialgeschichte. Das Projekt beginnt bei dem Criminal Tribes Act von 1871 einer kolonialen Gesetzgebung, die es erlaubte, verschiedene nomadische Gemeinschaften für kriminell zu erklären. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Indiens betraf der Criminal Tribes Act das Leben von rund 13 Millionen Menschen. Bis 1949 war der Criminal Tribes Act in Kraft und trug maßgeblich zur Legitimierung der vorherrschenden Vorstellungen von Kastenhierarchien bei. CRIMINAL TRIBES ACT: EXTENDED analysiert die Strukturen der Diskriminierung, die sich im Kastensystem bis in die heutige Zeit fortsetzten und immer wieder neu in die Körper der Individuen eingeschrieben werden. Das Stück beginnt als ein offenes Gespräch zwischen zwei Schauspielern, Chandru und Rudy. Sie sprechen miteinander über ihre Hintergründe, Erfahrungen, und Unterschiede. Während sie miteinander sprechen, wenden sie sich auch an das Publikum. Während sie versuchen ihre Geschichten zu „übersetzten“, wird der eine zum Sprecher, der andere zum Thema. Das Stück offenbart die inhärenten Konflikte zwischen dem Sprecher und dem Subjekt, dem Gesprochenen und dem Unausgesprochenen und die (Un-)Entrinnbarkeit von „uns“, „ihnen“ und „den anderen“.

 

Nachdem die geplante Stückentwicklung MY NAME IS TAMIZH (AT) wegen COVID-19 nicht bei SPIELART 2021 gezeigt werden kann, wird stattdessen eine Weiterentwicklung des bereits bei SPIELART 2015 aufgeführten CRIMINAL TRIBES ACT zu sehen sein. Ein Gespräch über die nun auf SPIELART 2023 verschobene Stückentwicklung findet nach der Vorstellung am 03.11. statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Performance  

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Konzept | Regie Sankar Venkateswaran Text | Performance Chandra Ninasam | Anirudh Nair

Der indische Regisseur Sankar Venkateswaran gründete 2007 seine eigene Kompanie, Theatre Roots&Wings, mit dem Ziel, neue Ansätze in der Theaterpraxis zu erforschen und in Zusammenarbeit mit Künstler*innen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen zu arbeiten. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem SAHYANDE MAKAN – THE ELEPHANT PROJECT (2008), THE WATER STATION (2011), WHEN WE DEAD AWAKEN (2012), CRIMINAL TRIBES ACT (2017) und INDIAN ROPE TRICK (2020). Seine Produktionen wurden an vielen verschiedenen Orten und Festivals gezeigt, beispielsweise beim Zürcher Theater Spektakel, SPIELART Theaterfestival München, Kyoto Experiment International Performing Arts Festival, Zoukak Sidewalks in Beirut und Theater Commons Tokyo. Neben seiner Arbeit mit der Kompanie führte Venkateswaran Regie bei INTERIOR (2020) für das Ninasam Theatre Institute, Karnataka, URUBHANGAM (2011) für die Shinshu University, Nagano, TAGE DER DUNKELHEIT (2016) und INDIKA (2017) für das Münchner Volkstheater und WHEN WE DEAD AWAKEN (2018) für das Intercultural Theatre Institute, Singapur. 2015/ 2016 war Venkateswaran künstlerischer Leiter des Internationalen Theaterfestivals von Kerala. Während seiner Amtszeit betonte das Programm den Austausch innerhalb des Globalen Südens, um den eurozentrischen Agenden der kulturellen Praxis zu widerstehen. Er erhielt das Ibsen-Stipendium, Norwegen, und lebt und arbeitet vom Sahyande Theatre aus, einer Theaterwohnung, die er im Bergtal von Attappadi, Kerala, gebaut hat.

Produktion Satoko Tsurudome Realisierung in Zusammenarbeit mit Münchner Volkstheater und dem Goethe-Institut